Das Torfbett


Torf ist eine Vorstufe von Kohle und der Hauptbestandteil der Moore. Gesundheitlich relevanter Torf wird aus Regenmoore oder Hochmoore gewonnen, die seit Ende der letzten Eiszeit nach und nach entstanden sind. Cirka 1000 Jahre braucht es bis eine Torfschicht von einem Meter entsteht! Durch die klimatische Veränderung wachsen die meisten Moore nicht mehr. Intakte, expandierende Moore gibt es noch in Skandinavien, einschließlich Finnland und Sibirien von wo heute der hier angebotene Torf überwiegend stammt. Moore bestehen beinahe ausschließlich aus abgestorbenen, hydromorph (unter Wasser), daher anaerob (ohne Sauerstoff), humifizierten (verrotteten) Pflanzen.
Traditionell wurde Torf lediglich als Heizmaterial verwendet. Doch hat man auch immer wieder versucht Torf auch anderer Verwertung zuzuführen. Im 19. Jahrhundert waren dies Tests zur Verkokung als auch die Vergasung mittels Luft und hocherhitztem Wasserdampf für die Stromgewinnung. Auch die trockene Destillation von Torf zur Gewinnung von Leuchtgas wurde versucht. Verwendung fand Torf  zeitweise auch als Rohstoff für die Herstellung von Pappe, Isolationsmaterial, Produkte zur Schall- und Wärmedämmung, Torfstreu (Tierhaltung) und Torfmehlmelasse (Tierfutter). Aufgrund der aseptischen Wirkung wurden unter dem Begriff  "Torfit"  Wand- und Bodenplatten sowie ein "Torfitextrakt" beides speziell für Toiletten produziert. Schon eine gewisse Tradition hat Torf  als Schlafunterlage oder Torfbett und wurde als solches auch in der Säuglingspflege eingesetzt.

Hochmoor

Hochmoorlandschaft
Als Torfwolle bezeichnet man die spinnbaren, aus Torf gewonnenen Fasern. In unterschiedlichsten, aufwändigen Verfahren hatte man daraus Verbandswatte, Decken, Teppiche und Wirkwaren hergestellt. Die Produktion solcher Textilien war jedoch unwirtschaftlich und wurde nach und nach wieder eingestellt. Auch Rudolf Steiner (Antroposophie) erkannte die salutogenen Eigenschaften von Torffasern und ließ unter anderem die Strahlung (Radiästhesie) dämpfende Wirkung von Torf  erforschen von der ihm Rutengänger berichtet hatten. Nach dem Tod von Rudolf  Steiner wurde das Vorhaben 1925 aus finanziellen Gründen eingestellt.

In der Medizin wird Torf seit rund 200 Jahren - in der Komplementärmedizin (Alternativmedizin, Naturheilkunde, Volksheilkunde) schon sehr viel länger -  therapeutisch eingesetzt. Torf wirkt demnach aseptisch (antibakteriell, antiviral, fungizid), entzündungshemmend, durchblutungsfördernd, bei rheumatischen Erkrankungen, bei Gelenkentzündungen, aber auch fruchtbarkeitsfördernd. Die medizinische Wirkung wird hauptsächlich den Huminstoffen (Fulvosäure und Huminsäure) zugeschrieben.
Laut einer Pressemeldung die sich auf Studien der Klinik Blankenstein bei Bochum und der Universität München beruft, gibt es östrogenhaltige Moore, aber auch solche Moore, die noch unbekannte Stoffe beinhalten welche die Ausschüttung des Hormons Prolaktin (zuviel Prolaktin verhindert Schwangerschaft) senken. Hier bedarf es noch umfangreicher Forschungsarbeit um die Komplexität der im Moor bzw. Torf entaltenen Stoffe zu analysieren.
Für Textilien geeignete Torfwolle oder Torffasern bestehen überwiegend aus verschiedenen Wollgräsern (Eriophorumarten). Nur aus einer Moortiefe zwischen 0,5 und 3 Metern sind die Fasern für Textilien zu gebrauchen und fallen als Nebenprodukt  bei der Gewinnung von Kultursubstrat an. Durch die oben beschriebene, sehr spezielle Verrottung (auch Vertorfung bezeichnet), erhalten die Pflanzenfasern ihre besonderen, therapeutischen, die Gesundheit fördernde Eigenschaften. Torffasern bestehen aus Zellulose, sind sehr porös und daher besonders leicht, sie sind elastisch, haben große Lufteinschlüsse, dadurch wärmende und Wärme speichernde Eigenschaften und ein enormes Feuchteaufnahmevermögen. Torffasern sind durchschnittlich 4cm lang und werden vor der Verarbeitung lediglich einer mechanischen Reinigung unterzogen. Die Fasern bleiben somit absolut natürlich und behalten ihre, durch die Vertorfung erlangten salutogenen, antibakteriellen, antiviralen und fungiziden Eigenschaften. Torffasern haben jedoch keinerlei Bauschkraft. Für Bettwaren werden sie daher, mit Schurwolle gemischt, zu einem homogenen, bauschigen Vlies verarbeitet, das als Füllung für Kissen, Unterbetten und Zudecken dient, wobei Unterbetten auch aus reinem Torf bestehen könnten. Leider sind Torffasern nicht so haltbar wie Wolle. Torf-, Woll-Bettwaren werden daher nur in einem sehr dichten Inlett angeboten. Torf-Schurwoll-Bettwaren gibt es mit einem Torfanteil von 20 bis 60 Prozent. Durch die beim Schlaf abgegebene Feuchtigkeit und Körperwärme werden die Wirkstoffe im Torf aktiviert. Man kann davon ausgehen, daß ein Torfbett ähnliche Wirkung hat wie eine Moorbad, zumal man im Bett sehr viel mehr Zeit verbringt.
Die Pflege von Torfprodukten sollte ausschließlich durch eine fachgerechte (Hand)-Wäsche bei 30° mit Hilfe von saueren Waschmitteln (cirka ph 6) ohne Duftstoffe erfolgen. Milde, für Wolle geeignete, sauere Waschmittel verhindern, daß zu viel Huminstoffe ausgewaschen werden. Wichtig ist gründliches spülen und, bei hoher Wasserhärte, eine Zugabe von etwas Essig in das letzte Spülwasser. Torfbetten wirken fungizid, verhindern also das Wachstum von Schimmelpilzen. Trotzdem ist auch hier tägliches Lüften unerläßlich, damit die Bettware die in der Nacht aufgenommene Feuchtigkeit wieder abgeben und somit ihre Funktion bewahren kann.
Quellen:
Süddeutsche Zeitung "Neue Hoffnung für kinderlose Paare" vom 2.2. 2004
Meyers Großes Konversations-Lexikon 1909
Für die freundliche Unertstützung danken wir Herrn Prof. Dr.-Ing. Anton Schenek, Hochschule Reutlingen